Statuslehre und Schule

Björn Nölte, Studienseminar Potsdam

Statuslehre im Unterricht?

Die Statuslehre wurde in der Theaterpädagogik von Keith Johnstone entwickelt. Auf den schulischen Unterricht wurde dieses Konzept von Maike Plath übertragen, die dazu auch Workshops anbietet: http://www.maikeplath.de/angebote/


Maike Plath: »Spielend« unterrichten und Kommunikation gestalten: Warum jeder Lehrer ein Schauspieler ist. Weinheim 2010

Statusverhalten ist in der Politik weit verbreitet:

Formen

  1. gesellschaftlich definierter Status
  2. natürlicher Status
  3. gespielter Status

Veränderung im Status des Lehrers

Früher: Größere Akzeptanz des gesellschaftlich definierten Hochstatus des Lehrers, Autorität durch das Amt (fällt heute zunehmend weg). Gesellschaftlich verabredete, rollenspezifische Codes (Lehrer-Schüler) greifen nicht mehr. Daraus folgt: Die Autorität des Lehrers muss über etwas anderes hergestellt werden, als über institutionell verankerte, gesellschaftlich definierte Codes. Zur erfolgreichen Steuerung von Unterrichtsprozessen sind andere Mittel notwendig- gerade auch mit Blick auf die veränderten Unterrichtsmethoden wie z. B. Projektunterricht und andere offenere Unterrichtsformen (der Lehrer steht nicht mehr vorne und doziert). (Maike Plath)

Innerer und äußerer Status

  1. Innen hoch und außen tief
  2. Innen hoch und außen hoch
  3. Innen tief und außen hoch
  4. Innen tief und außen tief
Mit der ersten Variante kann es gelingen, dass man gleichzeitig respektiert und als sympathisch empfunden wird.
Die zweite Variante erzeugt vor allem hohen Respekt, aber wenig oder keine Sympathie.
Durch die dritte Variante wird weder Sympathie noch Respekt gewonnen.
Die vierte Variante erzeugt hohe Sympathie, aber im Grunde keinen Respekt.

Hochstatus - komische Beispiele aus "Der große Diktator" (1940):

... ganz besonders deutlich in der Friseur-Szene:

Übung "1 - 2 - 3"

Wie äußert sich Hoch- und Tiefstatus allgemein im Verhalten?

Übung "Topdog"

Zwei Personen treffen sich. Ort und Situation werden von den Teilnehmern vorgeschlagen. Beide Darsteller spielen ihren Status so, dass jede Person immer wieder in einer etwas höheren Statusposition ist, als die andere und versucht dabei, die andere in eine niedrigere Statusperson zu drängen; z. B.: 2 Schulfreunde treffen sich nach langer Zeit wieder.


Der Rest der Gruppe beobachtet verbale und nonverbale Verhaltensweisen.


nach J. Simanowitz: Lebendige Methoden zur Entwicklung von Offenheit, Selbstvertrauen und Motivation in Seminar- und Gruppensituationen. Münster 2008, S. 55

Übung "Geheimer Status"

Welche unterschiedlichen Beispiele für Hoch- und Tiefstatusverhalten kennen Sie aus dem Schulleben?

  • Schulleitung (auch: Stellvertreter, OStKo)
  • Kollegen
  • Praktikanten
  • Schüler
  • Eltern
  • Hausmeister
  • Sekretärin
  • Essensausgabe
  • "jüngere"/"ältere" Referendare

Welcher Status ist für den Lehrer am günstigsten?

"Lehrer sind dann am erfolgreichsten, wenn sie Statuswechsler werden. Dafür ist eine innere Hochstatushaltung notwendig und die Bereitschaft und die Fähigkeit, seinen Status spielerisch zu ändern." (Maike Plath)

Beispiele

a) Inspektor Columbo
b) Bemerkung zu Schülerinnen, die auf der Treppe im Weg stehen: "Meine Damen!"

Weshalb ist die Statuslehre für den Lehrer bedeutsam?

  • Es wird immer kommuniziert und immer Status gespielt.

  • Viele Status-Verhaltensweisen sind nicht eindeutig.

  • Gelungene Statuswechsel sind wertvoller als Statusbehauptungen.

  • Mangelndes „Status-Bewusstsein“ kann auch bei intuitiven Hochspielern zu Problemen führen.

These: Noch nie waren kommunikative, soziale/ emotionale Kompetenzen des Lehrers (die sogenannten “soft skills”) so entscheidend bei der Vermittlung von Unterrichtsinhalten wie heute.
Denn: “Die Schule scheitert heute an der Unfähigkeit der Beteiligten, die wichtigste Voraussetzung für gelingende Bildung zu schaffen: konstruktive, das Lernen befördernde Beziehungen”. (Joachim Bauer, “Lob der Schule”, S. 12)

Schüler nehmen das Statusgebahren ihrer Lehrer vor allem nonverbal wahr...

Big image

Statuswippe

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a) Kommunikationspartner versuchen sich möglicherweise gegenseitig zu übertrumpfen.

b) Wenn Schüler den Lehrer häufig im Hochstatus erleben, kultivieren sie entweder Tiefstatusverhalten oder versuchen ihrerseits, Hochstatus zu erlangen.

Filmausschnitt "Fame", 1980

Fame 1980 (Clip 2)

Beobachtungsaufgaben:

a) Notieren Sie Hochstatusverhalten (verbal, nonverbal)

b) Notieren Sie Tiefstatusverhalten (verbal, nonverbal)

c) Begründen Sie mögliche alternative Verhaltensweisen der Lehrerin.

Wie kann ich unfreiwilligen Tiefstatus vermeiden?

Status-Kompetenzen von Lehrkräften

  • Hoch- und Tiefstatusverhaltensweisen erkennen
  • Status-Verhalten beurteilen, indem Status-Kommunikation von persönlichem Gehalt und inhaltlichem Gehalt getrennt wird

[Hier wird die Nähe zum 4-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun deutlich.]

  • Status-Verhalten steuern, indem Hoch- und Tiefstatus gezielt modifiziert wird.

Mr. Bean beim Zahnarzt

Auf der Bühne entsteht Komik, wenn Personen im gesellschaftlichen oder natürlichen Hochstatus von Personen im Tiefstatus herabgesetzt werden. In der Schule kann es ähnlich verlaufen: Schüler, die den Lehrer zu sehr im Hochstatus erleben, werden möglicherweise versuchen, auf kreative oder offensive Weise ihren eigenen Tiefstatus zu überwinden.
Maike Plath: "Spielend" unterrichten

aus: „Spielend“ unterrichten und Kommunikation gestalten – Warum jeder Lehrer ein Schauspieler ist, Maike Plath, Beltz Verlag 2010