"Der Zauberlehrling"

von Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe

  • geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main
  • Dichter, Schriftsteller Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann.
  • bedeutender Vertreter des Sturm und Drang, sowie mit Schiller die Weimarer Klassik.
  • verstarb mit 82 Jahren am 22. März 1832 In Weimar


Seine bedeutendsten Werke:

  • Götz von Berlichingen (1774)
  • Die Leiden des jungen Werther (1774)
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796)
  • Faust, 1. Teil (1806)
  • Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816)
  • Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829)
  • Faust, 2. Teil (1831)

Die Ballade

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle,
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.



Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle,
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.


Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!


Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen:
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Mine! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.


Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.


"In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister."

Aufgabe an Euch! Ordnet die Überschriften den Textabschnitten zu!

  • Wut
  • Lösung
  • Neue Verzweiflung und Hilferuf
  • Angst
  • Rettungsversuch, Hoffnung und Enttäuschung
  • Selbstüberschätzung und Machtgier
  • Machtrausch
  • Die Tat

Warum ist es eine Ballade und kein Gedicht?

Gedichte und Balladen sind sich sehr ähnlich und deshalb leicht miteinander zu verwechseln.


Woran erkenne ich eine Ballade?

Merkmale:

  • Es sind in Liedform geschriebene Erzählgedichte, also Gedichte, die eine Geschichte erzählen (sonst werden in Gedichten meist Emotionen oder kurze Eindrücke dargestellt, keine kompletten Geschichten).
  • Die Geschichte soll ein auffallendes Ereignis beschreiben.
  • Der Erzählstil soll emotionsgeladen sein.