Akte 205

Polizeirapport

04.07.2014

Der Fabrikbesitzer M. erstattet Anzeige gegen Unbekannt. Am 04.07.2014, um 15.04 Uhr explodierte ein Gastank seiner Fabrik aufgrund mutmasslicher Brandstiftung. Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehrere Hunderttausend Franken. Ein Team von zwei Polizisten wird sich dem Fall annehmen und vor Ort ermitteln.

05.07.2014

9:00 Uhr

Ankunft am Tatort der zwei ermittelnden Polizisten. Der Tatort wurde bereits am Vortag gesichert und versiegelt. Am Tatort wartet bereits Herr M. Er macht einen gefassten Eindruck.

Interview mit dem Fabrikbesitzer M., um herauszufinden wer als Verdächtiger in Frage kommt und wer ein Motiv hätte, ihm zu schaden. Das Ganze findet in einem temporär zur Verfügung gestellten Büro statt.

Polizei: Was spricht Ihrer Meinung nach in diesem Fall für Brandstiftung?

Herr M.: Als ich die Fabrik vor 20 Jahren am Dorfrand gebaut habe, haben sich besonders die Alteingesessenen Bewohner sehr negativ über den Bau ausgesprochen und versuchten, ihn dementsprechend auch zu verhindern. Es scheint, als ob sie Angst hatten, dass sich ihr Dorf verändern könnte. Aber haha, ich sass am längeren Hebel. Sie müssen wissen, ich hatte einen grosszügigen Gönner, der sich bei der Gemeinde stark für mich einsetzte. Schlussendlich bekam ich die Bewilligung für den Bau. Ich verstehe bis heute nicht, warum dieser enorme Widerstand da war. Dabei schenkte ich dem Dorf sogar Arbeitsplätze. Aber naja, Dankbarkeit wird hier halt nicht grossgeschrieben.

Polizei: Um wen handelt es sich bei diesem Gönner?

Herr M.: Den Namen möchte ich nicht preisgeben, das ist geschäftlich. Und um ehrlich zu sein, es verlief vielleicht nicht ganz gesetzestreu. Das gebe ich jetzt aber nur zu, da das Ganze schon Jahre zurück liegt und dieser Gönner nicht mehr bestraft werden kann.

Polizei: Bitte Herr M, wir behandeln die Informationen selbstverständlich streng vertraulich, aber wir brauchen jede noch so kleine Information um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Herr M.: Wenn Sie so darauf bestehen. Es handelte sich um den bekannten Bankier Julius Bär aus Zürich, ruhe er ihn Frieden. Vielleicht erinnern Sie sich ja. Sein Sohn verschwand in den Siebzigern spurlos und die Presse drehte fast durch.

Polizei: Ah, ich erinnere mich. Hiess es am Schluss nicht sogar: entführt, umgebracht und begraben? Aber egal, das tut nichts zur Sache. Zürich ist nicht gerade um die Ecke und auch sonst ist eine Verbindung zwischen dem Gönner und dem damaligen Bau der Fabrik nicht zu erkennen. Bis jetzt. Kommen wir wieder zurück auf unseren Fall. Können Sie uns konkrete Namen von Verdächtigen nennen?

06.07.2014

Weiteres Vorgehen:

Wir werden uns im Dorf umsehen und die von Herr M. verdächtigten Personen ausfindig machen. Mit allen werden wir eine Befragung durchführen. Herr M. stellt an oberste Stelle einen lokalen Landstreicher. Ausserdem traut er die Tat auch Schuljungen zu, da diese des öfteren im Dorf und um die Fabrik rumschleichen. Namentlich sind das Igor, Fred und Manuel. Unserer Meinung nach nicht gerade handfeste Verdächtige, wir werden die Personen jedoch überprüfen.


11:30 Uhr

Wir haben die drei Jungen beim Dorfplatz getroffen und zur Befragung mit in unser temporäres Büro genommen. Sie wirken nervös und sind sehr zappelig.


12:00 Uhr

Befragung der drei Jungs

Polizei: Also Jungs, wir haben ein paar Fragen betreffend der Explosion, welche sich vor drei Tagen ereignet hat. Es wird ein Landstreicher verdächtigt, der sich angeblich oft hier im Dorf blicken lässt, kennt ihr ihn?

Igor: Ja, Sie meinen sicher Schorsch, aber den haben wir schon länger nicht mehr gesehen.

Polizei: Wo können wir ihn finden?

Fred: Niemand weiss wo er wohnt. Er taucht immer mal wieder auf, verschwindet aber genauso schnell wieder.

Polizei: Glaubt ihr, dass er etwas mit der Explosion zu tun hat?

Fred: Nein, Auf keinen Fall! Schorsch ist ein guter Mann! Er erzählt zwar oft skurrile Geschichten aus der Zeit, wo er noch in Korsika lebte und bei denen man nie weiss, ob er sie wirklich erlebt hat, aber er hat noch nie jemandem etwas zu Leide getan.


Fazit

Die Jungs scheinen den derzeitigen Aufenthaltsort von Schorsch wirklich nicht zu kennen. Nach der letzten Frage wirkten sie aber relativ nervös. Wir werden sie noch einzeln befragen um herauszufinden, wo sie sich zur Tatzeit befanden.


Ergebnis der Einzelbefragung

Für Igor und Manuel bestehen folgende Alibis:

Manuel lag krank im Bett, was von den Eltern telefonisch bestätigt werden konnte.

Igor befand sich zur Tatzeit beim Dorfbrunnen. Das konnte uns von drei Augenzeugen bestätigt werden. Auch Schorsch, der Landstreicher, soll dabei gewesen sein.


Befragung Fred Müller

Polizei: Also Fred, nun möchten wir gern noch wissen, wo du dich zum Zeitpunkt der Explosion aufgehalten hast.

Fred: Ich war mit Igor bei Freysingers Kirschbaum und habe Kirschen gepflückt. Manu war nicht dabei, der war ja krank.

Polizei: Sag uns die Wahrheit Fred! Igor konnte uns bereits ein wasserdichtes Alibi nennen. Er war nicht beim Kirschbaum!

Fred: Ach mann… ich geb es ja zu, ich habe einem Mädchen hinterherspioniert. Das ist mir jetzt aber voll peinlich! Sie war mit einem Typen aus der Klasse über mir unterwegs. Der ist nämlich schuld an der Explosion, nicht Schorsch!

Polizei: Was hast du denn gesehen?

Fred: Sie gingen zu den Tanks bei der Fabrik und er hat geraucht und trockenes Gras angezündet.

Polizei: Kannst du uns seinen Namen nennen?

Fred: Der heisst Ronnie oder so, bin mir nicht ganz sicher.


Fazit

Fred Müllers Aussagen wirken unsicher, vielleicht will er Ronnie auch aus Eifersucht „anschwärzen“. Trotzdem müssen wir auch diese Spur verfolgen und überprüfen.


14:10 Uhr

Durch ein Telefonat mit Herr Wiesendanger, dem Rektor der örtlichen Schule, haben wir Adresse und Telefonnummer von Ronno Fischer bekommen.


17:00 Uhr

Ausschnitt Befragung Ronno Fischer


Polizei: …Du gibst also zu bei den Gastanks geraucht zu haben?

Ronno: Ja, aber sagen sie bitte nichts meiner Mutter! Ich darf eigentlich nicht rauchen! Und an dieser Explosion bin ich ganz sicher nicht schuld.

Polizei: Aha. Wer soll es dann sonst gewesen sein?

Ronno: Es war Schorsch, dieser Landstreicher. Als wir dort rauchten, stand er plötzlich da und hat uns fortgejagt… und ich vergass meine Zündhölzer. Ich fand es auch komisch, dass der sich bei der Fabrik herumtrieb, da ist sonst nie jemand. Ausserdem wirkte er ziemlich nervös und roch nach Benzin.

Polizei: Wir werden dieser Spur nachgehen, aber wir behalten dich im Auge!


Fazit

Wieder lenkt sich der Verdacht auf den verschwundenen Landstreicher. Renate, welche auch von Fred bei der Fabrik gesehen wurde und Ronnos Alibi bestätigen könnte, befindet sich momentan im Ausland. (Sie kann bis auf weiteres nicht befragt werden!)

07.07.2014

Weitere Befragungen mit Dorfbewohnern verstärken den Verdacht, dass Schorsch der Täter ist. Keine weiteren Verdächtigen. Schorsch scheint untergetaucht zu sein.

Für den nächsten Tag organisieren wir eine Suchaktion nach dem Vermissten Schorsch. Ein Suchtrupp mit 5 Mann und zwei Hunden wurde im Hauptrevier beordert.


20:00 Uhr

Anruf von Riccardo Knecht, welcher in der örtlichen Sägerei arbeitet. Er meldet den Fund einer Leiche bei der alten Scheune.

20:25 Uhr

Ankunft bei der Scheune. Krankenwagen und Spurensicherung vor Ort.

Tatort wird gesichert.


20:30 Uhr

Tod der Person wurde ärztlich festgestellt. Der Leichnam wird unverzüglich ins Forensische Institut überliefert.

Sichergestellt werden konnten ein alter Personalausweis, ein paar Münzen und das Bild eines Hundes. Beim Tatort wurden ausserdem 24 tote Katzen, in unmittelbarer Nähe zum Toten, gefunden. Ausserdem mehrere leere Dosen Katzenfutter der Marke Whiskas.

Aus dem Personalausweis lässt sich schliessen, dass es sich bei dem Toten um Georg Bär handelt. Geburtsjahr 1952. Bürgerort: Zürich.


Es besteht dringender Verdacht auf Selbstmord. Motiv unbekannt.

08.07.2014

Recherchen in der Personaldatenbank ergab, dass es sich bei dem Toten um den Sohn des Bankiers Julius Bär handelt. Es liegt eine Vermisstenmeldung vom Jahr 19XY vor.

Von Herr M. haben wir bereits erfahren, dass es sich bei Julius Bär um den ehemaligen Gönner der Fabrik handelt. Könnte hier ein möglicher Racheakt von Seiten Georg Bär vorliegen? Aber was könnte sein Motiv sein?


8:55 Uhr

Befragung Riccardo Fischer

Polizei: Sie haben die Leiche in der alten Scheune gefunden. In welcher Beziehung standen sie zu Herrn Bär?

R.F.: Ich kannte ihn nur als Giorgio. Er rettete mich an einem heissen Sommertag, als ich mit dem Fahrrad in den Bach stürzte. Seit dem waren wir eng befreundet und trafen uns jede Woche. Als er diesen Sonntag einfach nicht zum Treffen erschien, beschloss ich ein paar Tage später doch einmal in der alten Scheune nachzusehen, da er dort ein paar Katzen hielt.

Polizei: Was wissen Sie über seine Vergangenheit?

R.F.: Zugegebenermassen nicht gerade viel, er war ein verschlossener Mensch. Jedoch gab er des öfteren Anekdoten über seine Vergangenheit in Korsika zum besten.

Polizei: Hatte er Feinde im Dorf?

R.F.: Nein, nicht dass ich wüsste. Er hat die Leute gemieden und die Leute mieden ihn. Nur mit den drei Jungs hatte er sich des öfteren unterhalten.



Fazit

Georg Bär ist im Dorf scheinbar unter verschiedenen Namen bekannt. Schorsch und Giorgio sind ein und dieselbe Person.


Wir werden nochmals Herr M. aufsuchen, um ihn über Julius Bär zu befragen. Wir erhoffen uns davon einen tieferen Einblick über die möglichen Motive von Georg Bär zu bekommen.

VID 20150426 WA0004

Befragung Herr M.

10.07.2014

Der gerichtsmedizinische Bericht ist uns zugestellt worden.

Der Leichnam von Georg Bär weist keine inneren und äusseren Verletzungen auf. Jedoch wurde ein heranwachsender Tumor entdeckt, der möglicherweise das Handelszentrum beeinflusst hat. Die toxische Analyse ergab, dass Georg Bär durch eine Vergiftung den Tod fand. Es handelt sich bei dem Gift um Zyanwasserstoff (Blausäure). Dieses führt in nur wenigen Sekunden zum unwiderruflichen Tod. Die Zellatmung wird unterbunden, was zu einem Tod durch innere Erstickung führt. Der Mageninhalt enthält Reste von Katzenfutter. Der Verdauungstrakt weist keine anderen Nahrungsrückstände auf.

Die Katzen wurden Stichprobenmässig auf Zyanwasserstoff untersucht. Die Ergebnisse waren positiv.


Schlussbericht

Die Sachlage ist nicht eindeutig. Der Fall wird ad Acta gelegt. Georg Bär bleibt als Hauptverdächtiger bestehen. Wir gehen bei ihm von einem Selbstmord aus. Dafür spricht, dass alle seine Katzen mit dem gleichen Gift getötet wurden und in seiner unmittelbaren Nähe lagen. Danach vergiftete er sich selbst. Georg Bär war im Dorf bekannt unter verschiedenen Namen, nicht aber unter seinem Geburtsnamen. Seit 19XY galt er als vermisst. Auffällig ist, dass der Vater des Verstorbenen der Gönner der explodierten Fabrik war. Die Vermutung liegt nahe, dass ein symbolischer Racheakt gegen die Familie, namentlich Julius Bär, Tatmotiv war.

Die Akte 205 wird hiermit ad Acta gelegt, da der Fall, aufgrund fehlender Beweise, nicht gelöst werden konnte.