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für Missionspartner

Nach einem Jahr Mission in Graz

Im Oktober 2014 habe ich nach Abschluss meines Studiums mit zwei anderen Kollegen angefangen, im Rahmen des Projektes CATHOLIC Austria als katholischer Missionar zu arbeiten. Wir sind zu dritt in das Elisabethheim der Akademikerhilfe in Graz eingezogen. In diesem Heim war keine aktive Seelsorge vorhanden.


Schon in den ersten Tagen, an denen wir uns als katholische Missionare vorgestellt haben, sind wir auf Skepsis gestoßen. Wir haben auch niemanden im Heim gekannt.


In dieser Atmosphäre haben wir mit unserer Arbeit begonnen. Wir haben einige Studierende des Heimes kennengelernt und das Vertrauen der Heimbewohner in uns ist langsam gewachsen. In dieser Phase von Oktober bis Februar haben wir unser Programm treu angeboten und versucht, die Studierende besser kennenzulernen.


Ab Februar haben wir gemerkt, dass unsere Arbeit anfängt Frucht zu bringen. Drei Studierende vom Heim sind auf unser Winterlager mitgefahren, das vom 14. bis 21. Februar in Kühtai, Tirol, stattgefunden hat. Beim Winterlager haben wir täglich Messe gefeiert, gemeinsam gekocht und gegessen. Ein Student hat in der Abschlussrunde gesagt, er hat in dieser Woche neu angefangen über sein Leben nachzudenken und er hat wieder zur Kirche gefunden. Eine Studentin hat angemerkt, dass sie Gemeinschaft in dieser Weise nur selten erlebt hat. Insgesamt sind 28 Studierende mitgefahren.


Weiters haben Ende März 2 Studierende des Elisabethheims an der Osterreise ins Heilige Land mit P. Martin Rauch teilgenommen. Insgesamt waren 20 Studierende dabei.


Zu Pfingsten haben wir in Poreč, Istrien, ein Gebetstreffen organisiert. Bei dieser Reise sind ein Student des Schönbrunnheims und zwei Studierende des Elisabethheims mitgefahren. Insgesamt haben 14 Studierende teilgenommen. Das Programm bestand aus Übungen zur Gewissenserforschung, Beichte, täglicher heiligen Messe, gemeinsamen Lesen der Apostelgeschichte, Anbetung, und auch gemeinsamen Essen und Freizeit am Meer.


Zum jetzigen Zeitpunkt ist um uns herum eine Kerngruppe von Studierenden im Elisabethheim entstanden. Das merken wir durch eine interessiertere Teilnahme an dem, was wir im Haus anbieten.


Die Frühmesse im Heim findet jeden Mittwoch statt, und anschließend frühstücken wir gemeinsam. Im Jänner haben wir mit der Messe begonnen und mittlerweile kommen ca. 14 Studierende. Es gibt eine kleine Gruppe von Studenten, die uns bei der Vorbereitung des Frühstücks helfen.


Auch bei der Sonntagsmesse haben wir Studierende engagiert, um uns bei der Vorbereitung der Agape zu unterstützen. Ein Student vom Heim ministriert auch regelmäßig.


Eine weitere Frucht unserer Arbeit im Heim ist, dass 7 Studierende an Bibelgruppen teilnehmen. Die Bibelgruppen bieten eine Einführung in die Heilsgeschichte mit gemeinsamem Austausch.


Im März habe ich begonnen, wöchentliche Lebensmittelsammlungen vor einem SPAR in Graz zu organisieren. Ich nehme immer Studierende vom Elisabethheim mit. Wir stehen vor dem Markt und bitten Einkäufer um Lebensmittelspenden für eine Ausgabestelle in Graz. Die Essensausgabe organisiert Ermanno.


Im April und Mai haben wir wöchentlich für das gesamte Heim Gemeinschaftsessen organisiert. Zum ersten Abendessen kamen 5 Studierende; beim nächsten waren 50 dabei und bei dem letzten Essen haben wir zusammen mit 25 anderen Studierenden des Heimes gegrillt. Die Abendessen sind bei den Heimbewohnern sehr gut angekommen.


Am 27. Mai war das erste gemeinsame Vorbereitungstreffen mit einem Architekten für die Einrichtung unserer Hauskapelle. Bis zum Beginn des Advents 2015 soll die Kapelle neu gestaltet werden.


Zusammenfassend kann man sagen, dass sich das Bild von uns im Heim positiv geändert hat. Langsam lernten wir Studierende kennen, einige Freundschaften sind entstanden, und wir haben Vertrauen gewonnen, besonders aufgrund der gemeinsamen Unternehmungen. Mittlerweile wird unsere Präsenz im Heim von den meisten Heimbewohnern angenommen und bei vielen als positiv empfunden.


Wie haben wir das erreicht? Wir führen ein Leben des täglichen Gebetes – jeden Tag nehmen wir uns eine Stunde Zeit für das persönliche Gebet und auch für den Besuch der heiligen Messe. Gleichzeitig verbringen wir bewusst so viel Zeit wie möglich mit Studierenden; wir gehen mit ihnen Mittagessen, in die Heimbar, in die Bärenschützklamm und in die Puntigamer-Brauerei. Wir teilen den Alltag und leben im gleichen Heim.


Erst wenn wir sie besser kennen, laden wir die Studierende die interessiert sind ein, mit uns einen Glaubensweg zu gehen.


Wenn ich die Früchte unserer Arbeit sehe und miterlebe – ohne von den vielen neuen Freundschaften zu sprechen, die in diesem Jahr entstanden sind - bin ich sehr dankbar. Ich bin teilweise auch beschämt, dass Gott durch mich als Bauingenieur so wirken kann. Mittlerweile habe ich mich jedoch entschieden, diese Befangenheit abzulegen, dass ich als Laie diese Arbeit vielleicht gar nicht kann. Ich beginne selber zu akzeptieren, dass Jesus auch Geotechniker gut brauchen kann, um das Evangelium zu verbreiten.


Weil ich beobachte, dass um mich herum so viel Wertvolles passiert und dass es meinen Kollegen auch so geht wie mir, habe ich zusammen mit Ermanno und Leo entschieden, ein zweites Missionsjahr in Graz zu machen.


Weiters hat ein Student, den wir im Laufe des Jahres kennengelernt haben, zugesagt, ab Oktober 2016 für zwei Jahre als Missionar zu arbeiten.


Abschließend möchte ich Ihnen von Herzen danken. Dieses Jahr war das wertvollste meines Lebens, und Sie haben es mit Ihrer Unterstützung ermöglicht.

Josef Schweighofer